Ostergrüße des Leiters der DEO Kairo

Liebe Schulgemeinschaft der DEO Kairo!

Der berühmte Theologe Dietrich Bonhoeffer sagte in den finstersten Stunden seines Lebens:

„Wer Ostern kennt - kann nicht verzweifeln“

Die Christenheit steht kurz vor dem Ende der Fastenzeit. Jesus selbst fastete 40 Tage in der Wüste und fand dabei sich selbst und Gott. Danach machte er sich auf und verkündete seine Botschaft.  40 Tage Verzicht üben bedeutet, sich des eigenen Lebens wieder bewusst zu werden und über das Leben selbst nachzudenken. Für den Islam steht der Ramadan kurz bevor.

Genau in dieser Zeit  haben sich unsere privaten und öffentlichen Lebensumstände völlig verändert: Wir bangen alle weltweit um unsere Gesundheit, wir sehen tagtäglich in den Medien wie Menschen durch die Pandemie ihr Leben lassen, die menschliche Begegnung und das soziale Miteinander kommen praktisch zum Erliegen,  die Weltwirtschaft erlebt eine der größten  Rezessionen und wir wissen alle nicht genau, wie sich die Lage für uns persönlich und in unserer Region weiterentwickelt. 

Auch für uns alle an der DEO Kairo hat sich seit der Schulschließung vom 11. März 2020 die Situation dramatisch verändert. Mit den Mitteln der Digitalisierung halten wir „Unterricht  in besonderer Form“ aufrecht. Hier sind wir schon sehr weit fortgeschritten, aber noch längst nicht am Ziel. Wir merken alle, dass uns besonders die menschliche Begegnung und Auseinandersetzung  zwischen LehrerInnen und SchülerInnen aber auch unsere sozialen Beziehungen innerhalb und ausserhalb der DEO Kairo fehlen. Tägliche Videokonferenzen,  Präsenz in „Teams“ und auf unserer gemeinsamen digitalen Plattform erlauben uns permanente Kommunikation und zeigen uns aber auch die Grenzen auf: Digitalisierung kann Unterricht in herkömmlicher Form und die reale menschliche Begegnung nicht ersetzen. Sie will es aber auch gar nicht. Digitalisierung bleibt ein hervorragendes Hilfsmittel, gute Bildung zu unterstützen und in Zeiten der Krise hier  einen wertvollen Beitrag zu leisten. Nicht mehr und auch nicht weniger!

Bleiben wir also alle ganz entspannt in dieser angespannten Situation. Das ist vielleicht eine der größten Herausforderungen, vor denen wir gerade an der DEO Kairo in schulischer Hinsicht stehen. Ich darf Ihnen versichern, dass wir alle - und damit meine ich die SchülerInnen, die LehrerInnen, die Eltern, die Verwaltung, den Schulausschuss und die Schulleitung sowie die entsprechenden übergeordneten Institutionen in Deutschland und Ägypten - hier unseren Beitrag leisten, das Menschenmögliche zu tun, um mit dieser Krise umzugehen.

Das verdient Respekt und Anerkennung!!

Wir haben alle keine Rezepte und Lösungen, die wir einfach aus einer Schublade ziehen, aber wir ringen täglich darum, einen verbindlichen und verlässlichen Rahmen schulischen und pädagogischen Handelns zu ermöglichen.

In der Zeit der Krise kommt es jetzt auf jeden Einzelnen an, auf das zu schauen, was bereits gut gelingt.  Lob in allen Bereichen ist im Moment  motivierender und zielführender als Kritik.

„Wer Ostern kennt - kann nicht verzweifeln“

In der Osternacht feiern wir das Leben: „Die Nacht wird hell wie der Tag, wie strahlendes Licht wird die Nacht uns umgeben.“ Im höchsten Fest der Christenheit feiern wir den Sieg des Lebens über den Tod. „Aufstehen“ zu dürfen ist eine Gnade, ist ein göttliches Geschenk an uns und an die Welt.

Lassen sie uns alle gemeinsam - im Sinne des interreligiösen Dialogs an der DEO Kairo - uns der österlichen Botschaft bewusst werden und in diesem Geiste handeln. Möge dieser Geist in unsere Herzen einziehen und Licht in diese Welt bringen.

Das wünsche ich allen!

Frohe Ostern!

Ihr Roland Harken, Oberstudiendirektor

Leiter der DEO Kairo