Kooperativer Religionsunterricht Christentum-Islam in der Oberstufe
Der „Kooperative Religionsunterricht Christentum-Islam“ in der Oberstufe der Deutschen Evangelischen Oberschule in Kairo ist ein wesentliches Element im Kulturauftrag unserer Begegnungsschule. In der Oberstufe des Abiturzweigs werden die Schülerinnen und Schüler von einem Team aus christlichen und muslimischen Religionslehrern in deutscher Sprache und nach den Vorgaben des deutschen gymnasialen Schulsystems unterrichtet.
„Mit dem … Kooperativen Religionsunterricht, bei dem muslimische und christliche Schüler und Schülerinnen in den beiden letzten Schuljahren vor der deutschen Reifeprüfung gemeinsam von christlichen (evangelisch, katholisch, koptisch-orthodox) und von muslimischen Religionslehrern unterrichtet werden, sollen sie befähigt werden, sich aufgrund eines fundierten Fachwissens in den Dialog der Religionen einzuüben und pauschalen Vorurteilen durch differenzierte Argumentation entgegenzutreten“ (SELBERT/KNOLLE 2004, 89f).
Es handelt sich bei unserem Unterricht nicht um ein „Projekt“, sondern um einen fest eingerichteten gemeinsamen Regelunterricht (Klausurfach) von allen muslimischen und christlichen Schülerinnen und Schülern der jeweils drei Parallelklassen des 11. und 12. Jahrgangs (ca. 150 Lernende). Der Unterricht wird im Umfang von zwei bis drei Wochenstunden in deutscher Sprache auf Grundlage von Lehrplänen erteilt, die im Jahre 2001 von der KMK genehmigt wurden. Das Fach ist abiturrelevant, und es besteht die Möglichkeit zur mündlichen Abiturprüfung, die regelmäßig von etwa 20% der Abiturientinnen und Abiturienten wahrgenommen wird.
Kulturpolitische Bedeutung des Unterrichts
Unser Unterricht liegt an einer kulturpolitisch bedeutsamen Schnittstelle. Er öffnet für junge Muslime und Christen das Verständnis füreinander und für ihre gemeinsame Lebenssituation in der Region. Dies ist ein kostbarer Schatz in einer Zeit, die häufig genug die gegenteilige Geisteshaltung produziert. Unser Unterricht wird daher häufig von theologischem Fachpublikum und politischer Prominenz aus Deutschland zu Hospitationen und Diskussionen mit unseren Schülern genutzt.
Von unserem Unterricht geht keine Bedrohung kultureller oder religiöser Identitäten aus. Er bietet vielmehr hervorragende Möglichkeiten zur authentischen Information, zum Vergleich der Religionen und somit zur Förderung eines kompetenten friedensfördernden Handelns zwischen den Religionen. Neben der Information über Gemeinsames und über Trennendes - und neben der respektvollen Akzeptanz der Unterschiede zwischen unseren Religionen - ist es für uns wichtig, dass die bestehenden Unterschiede immer wieder in eine dialogische Unterrichtssituation eingebracht werden können. Ein fruchtbarer Dialog schöpft seine Kraft aus den bestehenden Gemeinsamkeiten und lehrt, auch die vorhandenen Differenzen zu beleuchten und respektvoll zu bennenen.
Kairo, 25. März 2008, Dr. Frank van der Velden, Fachschaftsleiter












