Lepradorf Abu Zabaal
Daten
Die Leprakolonie besteht aus einem Krankenhaus für die akuten Fälle, in dem ca. 300 Patienten behandelt werden, einer Frauensektion mit ebenfalls ca. 300 Frauen, bei denen die Krankheit zum Stillstand kam, aber weiterhin Therapie erforderlich ist. Hier teilen sich drei Frauen einen Raum und verpflegen sich selber. Entsprechend gibt es eine Männerabteilung.
Daneben gibt es das Dorf, in dem die als geheilt Entlassenen leben, Familien gründen und arbeiten. Durch ihre Verstümmelung ist für sie die Eingliederung in die Gesellschaft nicht mehr möglich. Die Kinder im Dorf erhalten durch Kindergarten, Schulbesuch, Ausbildung in Elektrotechnik, Holzverarbeitung und Müllrecycling Möglichkeiten, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Den Kontakt zum Lepradorf erhielten wir durch Charitas-Ägypten, die das Dorf betreut.
Persönlicher Bericht
Ich bin noch neu in Kairo, Anfängerin, und so sind die Eindrücke während des Besuchs im Lepradorf tief. Noch sind mir die Wohnverhältnisse des Großteils der Bevölkerung fremd, noch tue ich mich schwer, mit der großen Zahl der Menschen, die sich auf uns stürzen, umzugehen. Ich mache Erfahrungen, die ich mitnehme, aus Abu Zaabal zurückkehrend, Augenblicke, die ich nicht mehr von mir abschütteln kann :
- die Offenheit und Suche nach Begegnung der Frauen in der Frauenabteilung berührt mich. Stolz zeigen sie uns ihre Kinder, die sie trotz ihrer Situation zur Welt bringen, und die, die selber nicht zurechtkommen können, werden aus ihren Zimmern geholt, damit sie an dem Ereignis, Besuch zu haben, teilnehmen können. Wenn ich mich umschaue, kann ich nur staunen, wie diese ausgegrenzten Frauen ihe Leben selber organisien : Gänse laufen im Gelände umher, Wäsche flattert an der Leine, einzige zeigen uns ihre gefegten, aufgeräumten Zimmer....Aber wir sehen natürlich auch Lebensräume von Menschen, die keine Antriebskraft mehr besitzen.
Beim Besuch der Zitrusplantagen des Dorfes werden wir von Bewohnern benachbarter Farmen begleitet. Ich werde nicht vergessen, wie dies Menschen sich am Ortseingang bei der Rückkehr abwenden und in ihre "normale" Welt zurückkehren. Ein Überschreiten der Grenze gibt es nicht. "Aussätzigsein" - ich hab tief gespürt, was das heißt..
..und dann dieser zornige Alte, der nicht bereit ist, mit anderen zu teilen und uns bedroht, weil wir nicht ihm unsere Sachspenden geben, sondern sie im Dorfzentrum abliefern. Er schimpft noch lange hinter uns her ....
Der Kampf untereinander ist sicher groß- und das in einer Situation, in der jeder auf jeden angewiesen ist. Denn eine Alternative zu Abu Zaabal gibt es gür diese Menschen nicht, auch wenn sie geheilt sind. Eine Rückkehr in die Gesellschaft wird ihnen nicht möglich gemacht.
Als wir zrückkehren, arbeitet es in mir: Abu Zaabal ist für viele Menschen die Endstation ihres Lebens, auch für die vielen, vielen Kinder, die dort in den von ehemals Kranken gegründeten Familien geboren werden. Ob wir begreifen können, was das heißt?
Irmela Meßling / Lehrerin










