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Deutsche Evangelische Oberschule Kairo

PREISTRÄGER OBERSTUFE 2010



Reisbrei

Isabel Erfan

 

Am Eingang muss Simon seinen Personalausweis und den Bewerbungsbrief mitsamt der Bestätigung vorzeigen. Simon Hahn, 16 Jahre alt, Schüler der Deutschen Internationalen Schule, Berliner. Die Eintrittshalle ist groß, die mit Stuck verzierte Decke wird durch große Säulen gehalten, hinter dem Empfangstisch hängt ein Foto vom Präsidenten. Man deutet in Richtung der Sitzecke. Simon nimmt Platz. Na toll. IPod raus, Internet, youtube - keine Verbindung. Dann halt nicht. Die Klimaanlage bläst eiskalte Luft mit Air Freshener Aroma, Zitrone, in seinen Nacken.

Nach zehn Minuten wird er in einen weiteren Raum geführt: Der Besucherraum. Ganz in Weiß.

Es riecht nach frischer Farbe, ansonsten ist es hier relativ leer. Verständlich. Hygienisch. Außer weißen Bänken und Stühlen gibt es hier nichts.

Timo muss sich einen weißen Überzug und eine weiße Haube überziehen. Wertsachen bleiben hier. Auch der IPod. Na toll, was mach` ich hier überhaupt? Kann mich ja ab morgen krankschreiben und zwei Wochen einfach nur abchillen.

Hinter dem Besucherraum führt ein schmaler, dunkler Flur zum Lift. Der Lift ist noch dunkler, in den Ecken ist Staub, am Spiegel kleben zwei Kaugummis. Die Luft ist feucht und stickig. Der Aufzug hält, in welchem Stockwerk allerdings, weiß Simon nicht. Die Anzeige ist kaputt. Zugleich mit dem Glockenton beginnt das Brüllen. Als die Tür aufgeht, strömt der Gestank herein, das Brüllen wird lauter. Abgestandene, warme Luft und der Geruch nach Fäkalien und Schweiß strömt in den Aufzug. Ein Mann in weißem Kittel kommt um die Ecke. Plötzlich erscheint dicht hinter ihm ein Mann im schmutzigen Jogginganzug und versucht ihn aufzuhalten. Dabei schreit er und schlägt um sich. Zwei weitere Männer in Kitteln kommen herbei und halten den Verrückten zurück.

Mein Gott. Das ist echt nicht so der richtige Praktikumsplatz für ihn. Dies sei die „verbotene Station“, er dürfe sie nicht betreten.

Im nächsten Stockwerk steigt er aus. Auch hier die selbe, schlechte Luft wie unten. Dort steht eine Frau im weißen Kittel, die ihn empfängt, zum Glück auf Englisch. Dann zeigt sie ihm alles und weist ihn in seine Arbeit ein.

Er arbeitet also jetzt in der Station für physisch und psychisch leicht gestörte Jungen. Wobei die meisten nicht mehr so jung sind. Schon auf dem Flur, an dessen Wände Bänke stehen, sitzen oder liegen die Behinderten. Aber als er in die Nähe kommt, springen manche auf und nähern sich.

„Kümmere dich um Karrell“, sagt die Betreuerin und deutet auf einen kleinen Jungen, der ruhig in der Ecke sitzt. Er hat die Augen geschlossen und alle paar Sekunden zuckt sein rechter Arm in die Höhe.

Was er denn hat? Keine genaue Auskunft.

Er sei verrückt, krank. So wie alle.

Simon setzt sich neben Karrell auf die knallrot gestrichene Bank. Die Färbe blättert überall ab. Karrell blickt nur einmal kurz auf und senkt wieder den Kopf. Simon versucht nicht mit ihm zu sprechen. Er versteht ja doch nichts. Ob er überhaupt etwas hören kann? Hier redet ja eh keiner mit den Patienten. Vor ihm auf dem Boden kriecht ein Mann, ein Plastikauto vor sich hinschiebend. Auf Knopfdruck leuchten drei Lichter auf: Grün, Gelb, Rot. Rot, wie die Bank.

Simon ist entsetzt und er hat Angst. Angst vor dem Unbekannten, vor den Kranken. Wer weiß, wozu sie fähig sind. Mit wachem Auge auf die Umgebung sitzt er da. Karrell rührt sich nicht. Nur sein Arm zuckt immer wieder in die Höhe. Simon fängt an zu summen. Oh Mann, wie gern hätte er jetzt seinen IPod hier. Karrells Arm hört auf zu zucken. Simon singt jetzt auch den Text dazu. Karrell schaut endlich auf. Mit großen, braunen Augen blickt er Simon ins Gesicht. Dann bewegt er seine linke Hand langsam auf Simons Wange zu. Mit einem Mal rutscht sein Arm ab, dann kneift er Simon.

Dieser springt auf. So war das ja nicht gedacht, Mensch! Karrell sinkt wieder in sich zusammen und schließt die Augen. Dann führt er die linke zur zuckenden rechten Hand und zwickt sich selber. Lass doch!, will Simon schreien, aber es hilf ja doch nicht. Er setzt sich wieder zu Karrell und nimmt seine Hand. Ganz sanft hält er sie und legt sie auf die Bank.

Karrell beruhigt sich.

Langsam fallen ihm die Augen zu, vor Müdigkeit. Sein Kopf sinkt zuerst auf Simons Schulter und dann auf dessen Schoß. Er schläft, während Simon Schweiß über den Rücken rinnt. Hier drin ist es heiß wie in einer Sauna.

 

Ein schriller Alarmton ertönt. Das Essen ist fertig. Simon nimmt Karrels Hand und geht mit ihm in den Speisesaal. Auf dem Weg dahin redet er mit Karrell. Einfach so, auch wenn Karell nie antwortet. Bin ich jetzt auch schon verrückt? Aber Karrell wirk entspannt und zufrieden. Auf dem Boden liegen noch alte Essensreste, vermengt mit Staub und Schlamm. Unter den Bänken kriechen Kakerlaken. Eine mürrische Schwester verteilt das Essen. Matschiger Reis.

Ob es denn nichts anderes gibt? Nichts mehr, kein Essen. Soviel versteht Simon. Und später? Reisbrei. Immer Reis. Kein Geld.

Karrell kann im Gegensatz zu anderen den Löffel selber halten, also kümmert sich Simon um ein anderes Kind, dass keine Augen hat. Es ist stumm und taub. Löffel für Löffel schiebt Simon ihm in den Mund, bis das Kind, dessen Namen ihn niemand nennen kann, mit seiner Hand in den Reisteller greift. Simon war wohl nicht schnell genug. Die Krankenschwester nimmt Simon den Teller weg, das Kind hat genug gehabt.

Der Pfleger hinter ihm schlägt einen Jungen. Er soll essen! Einer der erwachsenen Patienten, der soweit relativ gesund erscheint, kümmert sich um ein anderes schwerbehindertes Kind.

 

Nach dem Essen ist Simons Arbeitstag vorbei, er kann nach Hause. Er erkundigt sich bei der Englisch sprechenden Krankenschwester, warum die Jungen kein richtiges Essen und Kleider und Hygiene bekommen. Zu teuer, kein Geld, sagt diese und zuckt mit der Schulter.

Als Simon aus dem Lift in die Rezeption tritt, atmet er die saubere, kühle Luft tief ein. An der Rezeption fragt er noch, wo denn das Geld hinfließe, das Geld aus Deutschland, das Geld von der Firma.

Die Frau am Schalter kann keine Auskunft geben. Sie bietet ihm mit hilflosem Lächeln ein Bonbon und ein Trinkpäckchen an, für Gäste.

 

 

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Der tiefere sinn

 

Ali Saba

 

Komm

sezieren wir dieses gedicht

nehmen es auseinander

bis es blutig am boden liegt und sich nicht mehr rührt

komm

wir schreiben eine analyse

da eine metapher

was sagt uns das

 

wir überlegen uns warum es keine kommas gibt

warum alles klein geschrieben ist

und warum hut

sich so gut

reimt mit gut

 

komm

sezieren wir dieses gedicht

 

komm

wir werfen mit fremdwörtern um uns

wie metapher

personifikation

lysergsäurediäthylamid

anapher

desoxyribonukleinsäure

hyperbel

 

wir beachten

dass der autor einmal in musik

eine sechs geschrieben hatte

das muss doch was zu bedeuten haben

 

und am ende stellen wir fest

dass sogar

dieses gedicht

eine tiefere bedeutung hat

 

auch wenn der autor

sich daran ein bein ausreissen könnte

 

 

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Der Fuchs

 

Ramzy Nasr El Din

 

Sonst war der Tag so schön gewesen…

Erfolgreich lief die Jagd am Morgen

Das Herz war frei, war leer von Sorgen

Erfüllt mit Lebenslust und Freud`!

 

Ach, die Natur... wie nie zuvor

Bestrahlte mich mit ihrem Schmuck

Und schenkte mir ein endlos`Glück,

So wundervoll ihr Sommerkleid!

 

Vom Windes süßlich` Duft wurd` ich jedoch

getäuscht:

Des Fremden, der Gefahr Geruch

Bemerkt´ ich nicht. Ach, sei er doch verflucht!

Er spürt mich auf, und ohne dass ichs ahn`...

 

Aus dichtem Busch erspäht mich sein Visier

Sein barmlos` Blick, ich seh ihn nun – ein Schuss!

Ein Schrei! Ich spür nichts, da fürs Leben rennen muss!

O Mensch! Warum? Was hab` ich dir getan?

 

...das letzte Bild verschwimmt vor seinen Augen

Sein Schweif wie´s Feuer fällt, erschöpft hängt seine Zunge

Vergeblich leckt er an der unheilbaren Wunde

Doch bald wirds ihm ums letzte Blut nicht bang...

 

Der Fuchs bewundert seinen letzten Sonnenuntergang!

 

 

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PREISTRÄGER MITTEL-und UNTERSTUFE 2010 Gedichte



 

Der Stress der Schule

 

Nora Ghorab 7C

 

Die 7te Klasse ist sehr schwer,

Physik, Chemie und noch viel mehr.

Ganze 7 Stunden pro Tag,

kein Wunder, dass keiner die Schule mag.

Manchmal sinds auch 9,

das ist dann wirklich zum Heuln.

 

Das schwerste Fach ist die Chemie,

auf dieses Fach freut man sich nie.

Das Leichteste jedoch ist Sport,

für andere ist es trotzdem Mord.

Während Lehrer vergnügt sind und lachen,

müssen wir zu Hause Hausaufgaben machen.

Man muss dann nachdenken, ob man einen Deutschtest hatte,

oder war es Kunst, Musik oder Mathe?

Vokabeln lernen in Französisch,

das alles ist doch unerträglich!

Bio, Arabisch, und Civix,

dabei lernt man wirklich nix.

 

Die Schweinegrippe erschwert uns die Schule,

dann möchte man lieber schlafen in Ruhe.

In der Pause hört man - die Schule wird geschlossen,

doch da hat man die Schule grad genossen.

 

Manche schreien dann glücklich auf,

und manche drücken ihre Gefühle aus,

indem sie weinen, tanzen oder lachen,

sie brauchen keine Hausaufgaben mehr zu machen.

Ich wünschte mir die Schule wäre vorbei,

dann könnte ich jetzt gleich nach

Hawaii.

 

Man ist vom Meer auf der Rückfahrt,

und freut sich trotzdem, dass der Schulbeginn naht.

 

Unsere ganzen Freunde sind in der Schule,

der Max, der Alex und die freche Jule.

Wir singen lustige Lieder

Und freuen uns immer wieder,

dass die Schule beginnt.,

Darauf freut sich wirklich jedes Kind.

 

 

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Weihnachten

 

Kanzy Badr 7C

 

Wenn frostig Weihnachten naht

liegt weicher, weißer Schnee auf

Dach und Baum und Pfad

Gefroren ist der See

 

Alle Kinder kommen aus dem Haus

im Ofen summt`s

und fahren mit den Schlitten aus

in Wolle dick vermummt

 

In jedem Haus ist jedes Kind so aufgeregt,

weil Weihnachten jedes Kind viel Wünsche hegt

 

Der Weihnachtsmann besucht das Haus

genauso wie der Nikolaus

Er bringt der Äpfel blank und rot

und auch von Marzipan und Früchtebrot

desgleichen eine Eisenbahn

 

Unter dem Tannenbaum steht ein Schaukelpferd

und auch ein großer Bär,

dazu ein Ritter mit `nem Schwert

 

Wie schön wird nun das nächste Jahr,

wenn Weihnachten wieder einmal naht!

 

 

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DER WINTER

 

Gina Hisham 5A

 

Im Winter ist es kalt

es regnet, donnert und es knallt!

 

Draußen gibt es Eis

und keiner hat viel Schweiß!

 

Der Himmel ist nicht klar

glaubt mir - es ist wahr

 

Aber wisst ihr:

wir haben Glück

 

denn bald kehrt der Frühling zurück

 

Es gibt dann nicht mehr Schnee

ja, dann, dann kommt der Klee!

 

 

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PREISTRÄGER MITTEL-und UNTERSTUFE 2010 Erzählungen



Ismael

Celina Proffen 8C

 

Ich habe Angst vor dem Krieg, wie soll es auch anders sein, wenn man ihn selbst erlebt hat:

Ein Schlag. Es schmerzte sehr, ja es brannte fast. Aber ich weinte nicht. Weinen war etwas für Luschen, Schwächlinge, für solche, die es nicht wert waren Männer zu sein! Ich weinte nie! Seit ich klein war hatte ich nicht mehr geheult. Wir waren stark, wir Palästinenser. Wir brauchten keine Hilfe… ich brauchte sie nicht! Früher habe ich oft geheult und geflennt und bin in den Schoß meiner Mutter geklettert. Oft; bei jeder Bombe, jeder Rakete, jedem Toten der auf der staubigen Erde lag.

Dann hat Vater mich geschlagen und ich habe immer mehr geheult. Vater schrie: „Sei ein Mann Ismael, Allah will dass du stark bist!“ Er hatte Recht. Wenn alle so wären wie ich, hätten die Israelis uns sicher schon aus unserem Land vertrieben. Nein! Ich durfte nicht weinen! Noch ein Schlag. Tränen stiegen mir gegen meinen Willen in die Augen. Es war Mutter, die mir unerwartet half. Sie legte ihre Hand auf Vaters Schulter und sagte besänftigend: „Es war doch keine Absicht, Ali.“ Nein es war weißgott keine Absicht! Wem würde schon ABSICHTLICH ein Korb voll Essen in eine Pfütze fallen?!

„Jetzt müssen wir wieder Hunger haben!“, sagte mein Vater erbost. Ich schämte mich. Vaters Geld reicht gerade, um uns zu ernähren (es gab zwar einen Hilfstand, aber der war sehr, sehr weit weg und es war sehr unwahrscheinlich dort etwas zu bekommen, weil es nur so wenig gab). Er arbeitete hart für das wenige Geld, und nun war ich schuld, dass es umsonst gewesen war!

„Können wir nicht noch einen Korb holen?“, fragte meine kleine Schwester Amira.

„Nein! Eben nicht!“, schrie mein Vater aufgebracht. „Geht alle raus! …alle, die rausgehen können.“ Fügte er in Bezug auf Karim hinzu. Karim war vor langen einmal im Norden des Gaza-Streifens auf eine Mine getreten. Dabei war er nicht gestorben, nein! Noch schlimmer: Er hatte seine Beine verloren. Vater hatte damals in meinen älteren Bruder all seine Hoffnung gesetzt und sich sehr um seine Bildung gekümmert, viel Geld darin gesteckt. Doch nun konnte Karim Vaters Hoffnungen nicht mehr erfüllen, und kostete ihn obendrein viel Geld. Seit diesem Unfall hielt ihn Vater für Verschwendung. Aber ich liebte ihn trotzdem. Früher hatte er mit mir Fußball gespielt, jetzt erzählte er mir Geschichten. Manchmal, wenn ich abends Angst hatte, vor den Bomben und Raketen, tröstete er mich. Einmal, ich erinnerte mich noch genau, blieben wir die ganze Nacht auf. Ich hatte ihn vor das Haus gezogen und wir hatten uns die Sterne angesehen. Er hatte mir erklärt, dass jeder Mensch einen Schutzstern hatte. Und dass, wenn man stirbt, man dort zu Allah hochkommt und jemanden beschützten könne. Er sagte, wenn er könnte, würde er mich beschützen wollen… Falls er einmal sterben sollte. Ich konnte mir das nicht vorstellen, denn für mich war Karim schon immer da gewesen und würde immer für mich hier bleiben. Wie sollte es auch anders sein?

„Raus jetzt!“, brüllte Vater und schubste Amira und mich vor die Tür. Als er sie wieder geschlossen hatte, streckte Amira ihm die Zunge raus.

„Ich gehe zu Malak, ok? Wir wollen Friseurin spielen!“. Seit unsere Cousins aus Ägypten ihr diesen Kamm geschenkt hatten, spielte sie nichts anderes mehr. Ich verdrehte die Augen. „Klar kannst du gehen“, sagte ich.

„Und was machst du?“, fragte sie. „Spielst du wieder Fußball?“

„Nein ich versuche beim Hilfstand was zu essen zu klauen.“

„Vater will nicht, dass du klaust! Und außerdem darfst du doch nicht so weit gehen. Du würdest erst morgen wieder zurückkommen und Mutter würde weinen“

„Aber es ist meine Schuld, dass wir nichts zu essen haben! Ich werde sagen, dass ich bei Amr übernachtet habe und man mir das Essen geschenkt hat.“

Amira zuckte nur die Achseln drehte sich um und lief zu ihrer Freundin.

Ich drollte mich in Richtung Hilfsstand. Er war mein ganzes Leben da gewesen, aber ich ging diesen Weg nur selten, weil er sooo weit weg lag. Vater erzählte mir manchmal von Zeiten, als er noch nicht da war. Er sagte, damals wären die „bösen Männer“ noch nicht dagewesen. Er sagte, wir Palästinenser wären damals ein großes und starkes Volk gewesen, mit viel Geld und Essen. Ich fragte, warum die „bösen Männer“ uns denn angreifen würden. Er überlegte und sagte: „Weil sie böse sind und uns hassen weil wir unseren Gott Allah nennen.“ Ich verstand es nicht, deshalb erklärte er mir die ganze, „wahre“ Geschichte: „Wir Palästinenser hatten einstmals ein viel größeres Land und auf einmal kamen die Israelis zurück. Sie glaubten auch an Gott und wollten unser Land haben. Weil wir es ihnen nicht geben wollten, weil es ja unseres war, haben sie uns angegriffen.“ Ich verstand immer noch nichts. Sagte der Koran denn nicht, dass alle Muslime zusammenhalten sollten? Mit den Ägyptern vertrugen wir uns doch auch gut…

Etwas genervt meinte Vater:“ Sie glauben an den selben Gott, Ismael, aber sie nennen sie anders und befolgen nicht die Gesetzte von Mohammed. Sie mögen uns nicht, weil wir Muslime sind!!“

„Ich habe verstanden Vater!“, sagte ich stolz. Ich ging zu Karim, stolz einmal mehr zu wissen als er. Ich erzählte ihm davon, aber Karim wurde plötzlich ganz böse. Wütend schrie er: „Ismael, du glaubst auch wirklich alles! Du Dummkopf!“ Nur langsam beruhigte er sich wieder. Er sagte, dass Vater viele Punkte an der Geschichte ausgelassen habe und begann damit, sie mir selber zu erklären. Was er sagte, muss sicher intelligent gewesen sein, er ist ja so gebildet. Er erklärte viele komplizierte Sachen über Juden, Muslime, Israelis und Araber. Antisemitismus in ich-weiß-nicht-welchem Jahrhundert sei wohl der Grund für den verzweifelten Kampf um eine Heimat. Jetzt verstand ich gar nichts mehr. Es war dann, als ich entschloss, dass es mir egal war. Dies war mein land und ich wollte hier leben, mein Land zu teilen störte mich nicht.

Während ich dachte war ich sehr weit gelaufen. Ich sah schon die Ecke, hinter der der Hilfstand lag. Schon hier begann es voll zu werden. Am Hilfstand war es immer voll. Ich mochte diesen Ort nicht. Hier kamen nämlich nicht nur Hungernde her, sondern auch Kranke. Ich bekam immer Gänsehaut, wenn ich jemanden sah, der beispielsweise keinen Arm mehr hatte und an der Stelle wo er hätte sein sollen nur Fleisch und Blut. Heute sah ich zum Glück keinen dieser armen Leute. Ich hätte ihnen gern geholfen, aber ich konnte nicht; ich hatte ja keine Verbände und kein Geld… genau wie sie.

Ich hatte mich ganz nach vorne gedrängelt und sah hinter dem Stand, den Deutschen, der Essen und Medikamente an die Frauen verteilte. Es gab noch Essen, aber nicht mehr viel. Ich hatte also nur zwei Möglichkeiten, wenn ich etwas erreichen wollte: Entweder ich stellte mich hinten an und musste damit rechnen, dass ich keine Nahrung mehr bekam oder ich klaute mir ein Packet. Mir schien die zweite Variante sicherer, denn immerhin ging es darum meinen Vater zu beeindrucken und unsere Familie über die nächsten paar Tage zu bringen.

Kurz entschlossen griff ich nach einem Sack und ließ ihn unter meinem Hemd verschwinden. Hastig drehte ich mich um und drängte mich durch die Menschen. Mein einziger Gedanke war: Weg hier!

Da hörte ich plötzlich jemanden Rufen: „Haltet den Dieb!“ Und bevor ich begriff was geschehen war, hatten mich einige Männer schon gepackt. Ich versuchte erst gar nicht mich zu wehren als sie auf mich einschlugen. Mir fiel der Nahrungssack runter und sah wie sich einige Frauen darauf stürzten. Die letzten Wort die ich wahrnahm waren „Bringt ihn zu Mister Maurer, dem deutschen, der wird ihn schon bestrafen!“, dann fiel ich in die schwarze Welt der Ohnmacht.

Als ich wieder erwachte, wusste ich nicht, wie lange ich geschlafen hatte und noch weniger wusste ich, wo ich war. Doch! Da fiel es mir wieder ein! Man wollte mich doch zu dem Deutschen bringen, Mister Maurer! Ich musste wohl in einem der Räume der Hilfsstation sein… Wenn er käme würde er mich sicher hart bestrafen! Erst jetzt erkannte ich wie ernst meine Situation war. Man könnte mich ins Gefängnis stecken, ich könnte mit Essenentzug bestraft werden oder man könnte mich aus dem Dorf jagen, wenn jemand erfuhr was ich getan hatte. Nein, ich musste hier raus! Sofort! Hastig schlüpfte ich durch die Tür und… stieß mit Mister Maurer zusammen! Der Deutsche sprach fließend Arabisch, da er schon sehr lange hier arbeitete und Essen und Nahrung verteilte. Er wies mich an, mich in den Raum zu setzten. Nachdem er rein gekommen war, schloss er die Tür ab.

„Warum hast du das Essen gestohlen?“, fragte er scharf. „Du weißt doch, dass man nicht stiehlt und dass jeder Recht auf Essen hat, und nicht nur du!“

„Ja, Sir“, antwortete ich. Er sah wohl, dass ich mich sehr schämte und wurde sanfter. „Und warum hast du das getan, Junge?“, fragte er.

Ich weiß nicht wieso, aber ich verspürte plötzlich den dringenden Wunsch mich jemandem anzuvertrauen. Ich erzählte ihm, wie dumm ich gewesen war, als mir dass Essen in die Pfütze fiel. Ich erzählte von Vater, der sauer war und böse, weil ich so ein schlechter Sohn war. Dass Vater hart arbeitete, um uns zu ernähren, weil wir nicht immer bis zum Essenstand gehen konnten, weil er viel zu weit weg lag und schließlich von meiner Idee das Essen zu stehlen. „Ich wäre in der Nacht weitergelaufen, in mein Dorf. Dann hätte ich meiner Familie am nächsten Tag erzählen, dass ich bei einem Freund übernachtet hätte und er mir das Essen geschenkt hätte“, sagte ich traurig. „Ich wollte doch nur, dass er stolz auf mich ist…“ Ich unterdrückte ein Schluchzen. Ich hätte so gerne geweint, meine Trauer geteilt, aber es war als hätte ich das weinen verlernt.

„Wie heißt du, Junge?“, fragte Mister Maurer nach einiger Zeit.

„Ismael, Sir“.

Wir sahen uns eine Weile schweigend an.

„Was wird nun aus mir, Sir?“, fragte ich vorsichtig.

„Ja, was wird aus dir?“, fragte er. Aber die Frage war ehr an sich selbst gestellt. „ich denke ich werde dir etwas zu Essen geben“.

Was?! Etwas zu essen? Keine Prügel? eine Strafe? Essen?

„Sieh mich nicht so erstaunt an“, lächelte Mister Maurer.

„Ja, Sir… natürlich! Aber… warum?... Ich meine, … Ich bin ein Dieb!“, stammelte ich.

„Jaaa, warum tue ich das? …Vielleicht, um dir zu zeigen, dass ich dir helfen will. Dass ich dich lieb habe. Man muss euch Kinder aus Palästina einfach lieb haben, wenn man überlegt, wie tapfer ihr seid, und wie viel ihr durchmachen müsst.“

Dann nahm er sich einen der Essenspakete, die im Raum lagen und stand auf. „So, jetzt komm, ich fahre dich nach hause. Es ist schon dunkel und allein lasse ich dich den langen Weg nicht gehen. Dein Dorf liegt sowieso auf meinem Weg.“

Ich folgte ihm. Eigentlich war ich schon viel zu müde, um den langen Weg zu gehen, aber ich wollte Mister Maurer nicht widersprechen, da er so gut zu mir gewesen war. Vor dem Hof sah ich zu meiner Überraschung allerdings ein Auto. Wie dumm von mir. Ich klatschte mir auf die Stirn; Mister Maurer war ein Ausländer und hatte wahrscheinlich ziemlich viel Geld, also lag es ja nah, dass er nicht jeden Tag zu Fuß den langen Weg hierher ging. Immerhin wohnte er noch hinter meinem Dorf!

Die Fahrt wurde lustig. Einerseits war ich immer in besonders guter Stimmung, wenn ich Auto fuhr (was für mich ein ehr seltenes Vergnügen war, da unser alter Wagen kaum funktionierte und wir meistens eh kein Benzin bekamen), andererseits hatte Mister Maurer ein Radio im Auto und er stellte einen super rockigen Sender ein und sang dazu (laut und schief, aber das machte mir nichts aus). Als wir fast da waren stellte er es allerdings aus, da er mir etwas zu besprechen hatte.

„Hast du schon mal daran gedacht, in die Schule zu gehen, Ismael?“, fragte er.

Gedacht hatte ich oft daran, aber es gab in unserem Dorf keine Möglichkeit dazu.

„“Hättest du denn Lust darauf?“

„Ja, sehr sogar!“, rief ich begeistert.

„Ich habe da nämlich eine Idee,…“. Er meinte, dass er mich morgens, wenn er durch mein Dorf zur Hilfsstation fuhr mitnehmen könne. Dann hätte ich die Möglichkeit auf die kostenlose UN-Schule dort zu gehen. Den Rückweg müsse ich allerdings zu Fuß gehen, wenn ich nicht bis zu seinem Feierabend um 9 warten wolle. Aber damit würde ich wohl kein Problem haben, da die Schule schon um eins endete, man dort dann kostenlos Mittagessen könne und ich höchstens 3 Stunden lang brauchen würde, um nach hause zu gehen. Außerdem wäre da ja noch die Möglichkeit per Anhalter zu fahren. Ich war begeistert und wir vereinbarten, uns morgen früh um 7 an der Tankstelle zu treffen, vorausgesetzt meine Eltern wären einverstanden.

Bei dem Gedanken meinen Vater fragen zu müssen, bekam ich eine Gänsehaut. Was wenn mein Vater meine ganze Hoffnung und Träumen ein jähes Ende bereiten würde?

Als wir angekommen waren verabschiedete ich mich von Mister Maurer und bedankte mich recht herzlich für sein Angebot und das Essenspaket.

Ich hatte mich noch auf der Fahrt entschlossen erst Mutter zu fragen, ob sie einverstanden sei und Karim die Neuigkeit mitzuteilen. Vater konnte warten, sagte ich mir (obwohl ich insgeheim wusste, dass ich nicht daran vorbeikommen würde ihn um Erlaubnis zu bitten).

Ich lief die Treppe in den 1. Stock des grauen Gebäudes hoch, in dem wir wohnten.

„Karim, Mutter“, rief ich. „Ich kann vielleicht in die Schule gehen!“

Nachdem ich ihnen alles erzählt hatte, fragte ich sie nach ihren Meinungen.

Mutter sagte: „Von mir aus; hier kannst du sowieso nichts nützliches machen und es kostet ja nichts“. Karim nickte fröhlich und strahlte aus Glück, dass sich mir eine solche Chance bot. Sein Name passte wirklich gut zu ihm. Karim; der Barmherzige.

„Hast du deinen Vater schon gefragt?“, fragte Mutter da.

„Ähm… ich, … muss das sein?“, fragte ich.

„Du hast doch wohl nicht allen ernstes geglaubt, ohne Vaters Erlaubnis dort hingehen zu können?“

„Nein“, gab ich zu.

Mutter sagte mir, dass er wohl in seinem Lieblingscafe sei und ich machte mich auf den Weg dorthin. Vor dem Cafe krampfte sich mein Magen zusammen. Ich ärgerte mich über mich selbst, dass ich Angst hatte meinen Vater so etwas zu fragen. Ich nahm allen meinen Mut zusammen und betrat das Cafe. Vater war anscheinend mal wieder in einem angeregten Gespräch über Politik vertieft.

Ich wartete einen passenden Moment ab und trat zu ihm und seinen Freunden. Zaghaft erzählte ich ihm von meinem Vorhaben.

Vater griff diese Chance auf, um etwas über das Pflichtbewusstsein seines Sohnes zu prahlen und seine Ansicht über Schulen zu verkünden (die zu meinem Glück ziemlich gut ausfiel). Jedenfalls verkündete er lauthals das SEIN Sohn jetzt in die erfolgreichen Fußstapfen seines Vaters treten würde und sicher brillante Ergebnisse erzielen würde. Ich merkte wie ich unter den Prahlereien meines Vaters rot wurde. Musste er auch immer so übertreiben?! Jedenfalls war es dieses mal durchaus zu meinem Vorteil, immerhin hatte er mir erlaubt die Schule zu besuchen. Ich ging nach Hause voller Vorfreude auf meine neue Schule.

In den nächsten Wochen ging ich zur Schule. Zwar war ich anfangs für mein Alter natürlich ziemlich schlecht, aber ich lernte schnell, was sicher nicht zuletzt an meiner sehr netten, lustigen und etwas pummeligen Lehrerin Miss Yasmina lag. Sie war sehr stolz auf mich und nahm mich beim Lesen sehr oft dran.

Aber wir hatten auch andere Lehrer, die um einiges ernster waren. Was allerdings nicht hieß, dass mir ihr Unterricht nicht gefallen hätte. Das beste Beispiel dafür war Mr. McClark, ein erfahrener Lehre aus Schottland, der uns English beibrachte. Er erzählte auch viele Geschichten von seinen unzähligen Reisen. Er war sogar schon einmal in Indien auf einem echten Elefanten geritten (ich hatte so ein Tier noch nie gesehen, aber Mr. McClark hatte ein Photo dabei)!

Er konnte wunderbar reden. Aber einmal, als wir eigentlich gerade über Schottland und die Kinder dort redeten wurde er plötzlich sehr ernst. Er sagte, dass diese noch nie von einer „Bombe“ gehört hätten, noch nie einen Verletzten gesehen hätten und überhaupt ein wunderschönes, friedvolles Leben führen würden. „Wollt ihr nicht, dass eure Kinder einmal auch so etwas erleben dürfen?“, fragte er. „Wollt ihr nicht, dass dieser Krieg aufhört? Ihr seid die Jugend dieses Landes und Jugend bedeutet neue Chancen. Versprecht mir, dass ihr alle versuchen werdet diesem Krieg ein friedvolles Ende zu geben?“

Alle Kinder riefen „Ja!“, nur manche runzelten die Stirn. Ich aber schrie am allerlautesten „Ja!!!“. Es war als würden sich mit diesem Schrei all die schrecklichen Erinnerungen aus mir lösen und diesen Platz mit Hoffnung auf eine bessere Zukunft füllen.

An diesem Tag ging ich glücklich zurück in mein Dorf. Dort traf ich auf einige Freunde von mir und zusammen gingen wir auf eine wenig befahrene Straße, um Fußball zu spielen. Während ich spielte vergaß ich alles um mich herum. Ich schoss viele Tore und alle lobten mich und sagten, dass ich in einer Weltmeisterschaft mitspielen müsse, weil ich so gut sei.

Sehr glücklich und Stolz lief ich nach Hause. Ich hätte vor Glück am liebsten die ganze Welt umarmt, um mein Glück mit ihr zu teilen. Jetzt wollte ich Vater und Karim von meinem Glück erzählen!

In unserer Straße jedoch, herrschte helle Aufregung. Was war passiert? Ich lief in Richtung nach Hause, um Vater oder Karim zu fragen, was passiert war.

Doch…, da war kein Zuhause mehr. Kein Vater, kein Karim… Nur Asche, wie nach einer Bombe…

Ich weinte, eine Träne…

 

 

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Die Wüstenfahrt

Alia Yehia 7C

 

Vor zwei Wochen bin ich mit meiner Klasse in die Wüste gefahren. Da die Fahrt sehr lange dauerte, sind wir erst spät am Abend im Lagerplatz angekommen. Als erstes haben wir unsere Schlafsäcke ausgepackt und sie in die Zelte gelegt. Meinen Schlafsack legte ich zwischen die Schlafsäcke meiner zwei allerbesten Freundinnen Mira und Amina. Es wurde ziemlich kalt, aber zum Glück hatten die Beduinen schon ein Lagerfeuer für uns entfacht. Zum Abendessen gab es leckeres Beduinenessen:Gebratene Hühnchen.

"Leute, guckt mal! Dort drüben gibt es Füchse!",sagte Leon. Alle standen erschrocken auf und schauten gebannt auf die kleinen Füchse, deren glühenden Augen aus der Entfernung funkelten. "Iiiih! Solche hässlichen Viecher! Wie schauerlich!",kreischte Mara. Mara ist die oberste Zicke, die ich je in meinem Leben getroffen habe. Natürlich nicht weil sie Füchse hässlich findet, sondern weil sie ständig meckert, sich über jeden lustig macht und alle schlecht behandelt. "Du musst nicht so einen Aufstand wegen solch kleinen Füchsen machen!", sagte Justin. Justin tut immer so cool, deswegen sind fast alle Mädchen in ihn verknallt. Nach dem Abendessen legten wir uns in unsere Schlafsäcke und mussten uns Maras Geschrei wegen einer Ameise anhören. Endlich war es dann ruhig und wir konnten alle einschlafen.

 

Am nächsten Morgen wachte ich sehr früh auf. Alle waren noch am Schlafen und Schnarchen. Leise schlich ich aus dem Zelt. Neben dem Lagerplatz gab es einen kleinen Berg. Ich stieg hinauf und betrachte den Sonnenaufgang. Plötzlich hörte ich Schritte näher kommen. Ich drehte mich nach allen Richtungen um, konnte aber keinen Menschen sehen. Die Schritte kamen immer näher. Ich hielt den Atem ein. Plötzlich packte mich etwas am Nacken.Das Herz rutschte mir in die Hose und ich blieb starr vor Schreck. "Hallo!",sagte die Stimme dicht hinter mir. Ich drehte mich langsam um und fand Justin vor mir. "Oh Gott, hast du mich aber erschreckt! Ich bin beinahe umgekommen!", entfuhr es mir.

Zitternd setzte ich mich nieder. Justin setzte sich still neben mich und wir schauten stumm den Sonnenaufgang an. Nach einer Weile hatte ich das Gefühl, ich sei blöd, dennn ich versäumte die Chance mit ihm zu reden und ihn besser kennenzulernen. "Und wie war es denn so? War alles okay bei euch im Jungenzelt?", fragte ich endlich. "Eigentlich sehr gut! Wir haben ein bisschen zusammen gescherzt und sind dann eingeschlafen! Wie war es bei euch?", erwiderte er."Hmm! Lass uns mal sehen! Eigentlich auch ganz in Ordnung! Wir mussten aber erst 10 Minuten lang Maras Gekreische wegen einer Ameise anhören, bevor wir endlich Ruhe hatten!" Justin und ich redeten und quatschten noch eine Weile, dann gingen wir zum Lagerplatz, wo alle anderen schon auf waren und sich fertig machten. "Justin ist doch ein sehr netter Junge!",dachte ich.

Ich lief zu Mira und Amina und erzählte ihnen,was mir geschehen war.

"Ich finde meinen rechten Schuh nicht!",sagte Sarah. "Bei mir fehlt der linke Schuh!", rief Jessy. "Es ist wirklich komisch, denn ich kann mich noch sehr gut erinnern, dass ich sie gestern Abend nebeneinander gestellt habe." Es gab große Aufregung wegen der verschwundenen Schuhe. Alle machten sich Sorgen, dass es einen Dieb gebe. Da kam unsere Lehrerin und sagte, wir besprächen das später, denn wir müssten uns beeilen. Gleich nach dem Frühstück mussten wir zur geplanten Safari aufbrechen. Wir gingen zu den Jeeps, in denen wir in Achtergruppen einsteigen sollten. Mira, Amina und ich stiegen in einen Jeep. "Mal sehen, welche Besucher wir bekommen!",sagte Amina aufmunternd. Kaum hatte sie ausgesprochen, stand Justin schon mit drei anderen Jungs vor unserem Wagen und fragte uns, ob sie mit einsteigen dürfen. "Ja klar!", sagte Mira schnell. Während der Fahrt haben wir die ganze Zeit gequatscht und gelacht. Wir haben uns an den verschiedenen Orten gemeinsam fotografieren lassen. Als wir dann am späten Abend am Lagerplatz ankamen, waren wir sehr müde. Alle gingen noch schnell essen und dann schlafen.

Während der Nacht wachte ich plötzlich auf. Ich horchte auf die Stille. Da war etwas.

Es war ein komisches Geräusch, als suche jemand nach etwas. In diesem Augenblick fiel mir der Dieb ein, der letzte Nacht die Schuhe meiner Mitschüler gestohlen hatte. Das Geräusch kam aus Katrins Richtung. Ich schüttelte Amina und Mira leise auf und zeigte in die Richtung von Katrin. "Ein Dieb! Hilfe,Hilfe!", schrie Amina laut auf. Im Nu waren alle wach und schrien verrückt herum. Blitzschnell nahm ich meine Taschenlampe und leuchtete in Katrins Richtung. "Das ist ein Fuchs!", schrie Mira entsezt. "Das ist mein Schuh, den er im Maul hat!", kreischte Katrin. Der Fuchs rannte schnell aus dem Zelt.

Alle rannten ihm nach. Er verschwand in einer Höhle im Berg. Ich lief ihm mit meiner Taschenlampe schnell hinterher. Nach ein paar Metern kam ich ans Ende der Höhle.

"OH MEIN LIEBER GOTT!". Vor mir lag ein fast 1m hoher Schuhhaufen. Die anderen kamen gleich nach. Nach dem überstandenen Schreck holten sich Sarah, Jessy und Katrin ihre Schuhe aus dem Haufen und wir gingen alle gemeinsam wieder aus die Höhle. Was der Fuchs mit den Schuhen wollte, konnte sich keiner erklären.

"Gott sei Dank! Es war nur ein harmloser kleiner Fuchs mit einer Schwäche für Schuhe und kein richtiger Dieb!", sagte schliesslich jemand. Alles war jetzt wieder in Ordnung und ich konnte den Rest der Fahrt mit Justin und den anderen friedlich bis zum Ende verbringen.

 

Natürlich sind alle Personen und Handlungen frei erfunden und entsprechen keinen lebenden Vorbildern! Oder?

 

 

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Lieber Timo

Maria Büter 7A

Hannover, den 14. Mai 2014

 

Lieber Timo,

 

Ich verbiete dir nicht traurig zu sein, wenn du das hier liest, ich glaub ich würde auch traurig sein, wenn du mir dies hier schreiben würdest!

Der Grund, weshalb ich dir diesen Brief schreibe ist folgender:

Ich habe schon vor Wochen beschlossen, dem allem ein Ende zu setzen. Mit dem allem meine Ich meinem Leben. Es steht fest. Und es tut mir auch kein bisschen leid. Es ist ja schließlich mein Leben. Also darf ich doch auch bestimmen, wann es aufhört, oder? Du weißt doch so was immer, du wolltest doch schon seit du sechs ½ warst Anwalt werden.

Es macht mir Spaß diesen Abschiedsbrief zu schreiben, denn es wird wahrscheinlich das letzte Mal sein, dass ich überhaupt etwas schreibe. Ich habe nur dir einen Brief geschrieben, nicht meiner Mutter, nicht meiner Schwester, nur dir! Ich finde, seinem besten Freunden muss man einfach Tschüss sagen.

Es gibt viele Gründe, warum ich keine Lust mehr habe zu leben. Oh,Timo , womit soll ich anfangen...

zum Beispiel ist da das Universum. Es ist so unendlich groß und es passt in keinen menschlichen Verstand. Wenn ich abends in meinem Bett darüber nachdenke, bereitet es mir Kopfschmerzen. Es macht mich traurig, dass wir etwas nicht erfassen können, das die ganze Zeit um uns herum ist. Warum können wir das nicht? Stell dir nur die ganzen Möglichkeiten vor, die wir mit diesem Wissen hätten...

Und da ist noch Gott. Erstmal stellt sich jeder Mensch mindestens einmal im Leben die Frage: Gibt es ihn, oder nicht? Das werden wir wohl niemals herausfinden. Und wenn es Gott gibt, warum lässt er nicht all diese schrecklichen Dinge verschwinden: Den Krieg, die Armut, Die Ausrottung der Tiere und Pflanzen? Deshalb glaube nicht, dass es einen Gott gibt, sondern dass wir Menschen ganz allein daran Schuld sind, das die Erde langsam stirbt.

Und die Menschheit überhaupt... woher wollen wir wissen, dass was bei mir 'grün' ist, bei dir vielleicht nicht 'dunkel rosa' ist?

Könnte es sein, dass mein blau aus deiner Sicht- aus deinen Augen- gelb ist? Wie sieht dein Himmel aus, dein Meer, deine Butterblumen, dein Wald? Weißt du was ich meine? Wir werden es niemals herausfinden! NIEMALS!

Ach Timo. Ich werde dich vermissen. Ich hoffe wir sehen uns nicht allzu bald... ich möchte nämlich, dass du alt wirst! Mindestens 80. Dann sehen wir uns im Himmel... falls es ihn gibt. Glaube dein ganzes restliches Leben an ihn. Ich habe dich immer geliebt Timo! Wenn auch nur als Bruder, aber ich möchte, dass du weißt, dass du mir viel bedeutest. Du wirst mir auch immer viel bedeuten. Ich werde auch außerdem nie vergessen, wie wir geangelt haben, nur mit einem Krumen Brot, den wir an eine Schnur geklebt haben, die wiederum an einem Stock geknotet war. Wir wussten, dass kein Fisch anbeißen, uns noch nicht mal nähren würde, wir wahren ja viel zu laut. Und trotzdem haben wir nie die Hoffnung aufgegeben, einen Fisch zu fangen. Ich möchte, dass du das auch weiterhin so beibehälst. Ich meine nicht das Angeln, sondern den Ehrgeiz. Du darfst nicht aufgeben, du darfst noch nicht mal daran denken. Verspreche mir das!

Du weißt, dass ich morgen um 14.43 Uhr zehn Jahre alt werde. Genau in diesem Augenblick werde ich mich von der großen Zentral-Brücke im Stadt-Innerem fallen lassen. Niemand darf dabei sein. Und natürlich darfst du es auch niemandem erzählen, auch wenn es dir schwer fällt. Ich werde also in meiner letzten Sekunde noch einmal fliegen. Doch mein größter Wunsch ist, dass du mich auch niemals vergisst. Wenn du mich einmal vergisst, und dann nach vielen Jahren diesen Brief wieder findest, zerreiße ihn, verbrenne die Fetzen und werfe die Asche aus dem Fenster. Wenn du mich jedoch immer im Gedächtnis behältst, denke einmal in der Woche, am Mittag, um 14.43 an mich und an den Himmel, dann werden wir uns eines Tages wieder sehen

In Liebe,

Emma Josephine Becker

 

Epilog:

Timo hatte die Trauerfeier von seiner besten Freundin nur verschwommen in Erinnerung, denn er hatte seit dem Zeitpunkt, an dem er den Abschiedsbrief bekommen hatte nur noch Tränen in den Augen gehabt. Sämtliche Verwandte, von denen er nie etwas gehört hatte, sind gekommen um ihr Beileid auszudrücken. Alle in schwarz -nur er mit einem hell-blauen Hemd, weil er wusste, dass es ihre Lieblingsfarbe ist. Ja, ist, nicht war, denn es wurde ihm klar, dass sie weiterlebt, auch wenn nicht auf der Erde, sondern im Himmel, so wie es im Abschiedsbrief gestanden hatte. Den hat er in ein moosgrünes Kästchen gelegt und mit zwei Schlössern versiegelt. Es lag nun unter seinem Kopfkissen, auch wenn es ihn Nacht für Nacht drückte und kratzte – die Erinnerungen an sie waren es ihm wert, jeden einzelnen Kratzer.

 

 

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