Die Physiker
Komödie in zwei Akten von Friedrich Dürrenmatt (1921-1990), Uraufführung: Zürich, 21.2.1962, Schauspielhaus.
Die unausweichliche Gefährdung der Welt durch die moderne Kernphysik ist zentrales Thema dieser Komödie. Sie spielt in einem privaten Nervensanatorium, wo die weltbekannte Psychiaterin Dr. med. Mathilde von Zahnd drei Kernphysiker, harmlose, liebenswerte Irre, behandelt: Ernst Heinrich Ernesti, der sich für Einstein hält, Herbert Georg Beutler, der sich mit Newton identifiziert, und Johann Wilhelm Möbius, dem der König Salomo aufsehenerregende Erfindungen diktiert. In der Villa des Sanatoriums geschehen merkwürdige Dinge, die auch die Polizei beschäftigen. Inspektor Voß untersucht in kürzester Zeit drei Morde an Krankenschwestern. Die Schwestern mussten sterben, weil sie Verdacht geschöpft hatten. Sie werden Opfer einer höheren Notwendigkeit. Möbius hatte mit einer genialen Dissertation die beiden größten Geheimdienste der Welt auf sich aufmerksam gemacht, die zwei Kernphysiker, Kilton alias Newton und Eisler alias Einstein, als Agenten in das Irrenhaus schickten, wo Möbius, dessen Handeln allein von der Verantwortlichkeit der Wissenschaft bestimmt ist, Zuflucht gesucht hat. Denn Möbius ist es gelungen, das System aller möglichen Erfindungen, die Weltformel, zu entdecken, aber er hat aus Gründen der Verantwortung den vorgetäuschten Wahnsinn als einzige Alternative zu einer glänzenden wissenschaftlichen Karriere gewählt. Die beiden gleichfalls Wahnsinn vortäuschenden Agenten versuchen, jeder mit anderen ideologischen Gründen, die Weltformel für ihr Land zu erwerben. Möbius aber überzeugt seine beiden Kollegen, dass es keinen anderen Ausweg als die Flucht aus der Welt gibt. „Wir müssen unser Wissen zurücknehmen. ... Entweder bleiben wir im Irrenhaus oder die Welt wird eines.“ – Seiner Erkenntnis folgend hat er die Manuskripte seiner Forschungen längst verbrannt. Da erscheint Frau Dr. Mathilde von Zahnd ...
Der parallele Bau der beiden Akte kommt darin zum Ausdruck, dass Dürrenmatt sie jeweils mit der Untersuchung des zuletzt erfolgten Mordes einleitet. Die überraschende Wendung geschieht erst in der Mitte des zweiten Aktes: Keiner der drei Patienten ist wirklich krank.
Dürrenmatt hat in „Die Physiker“ das Paradoxe zum dramaturgischen Bauprinzip erhoben. „Je planmäßiger die Menschen vorgehen, desto wirksamer vermag sie der Zufall zu treffen“, heißt es in den 21 Punkten zu den Physikern, einem lakonischen Kommentar des Autors zu seiner Komödie. „Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden“, sagt Möbius. Aus dieser These resultiert Dürrenmatts idealistischer Vorschlag einer universalen, quasi weltumfassenden Lösung des Problems: „Der Inhalt der Physik geht die Physiker an, die Auswirkung alle Menschen. Was alle angeht, können nur alle lösen. Jeder Versuch eines einzelnen, für sich zu lösen, was alle angeht, muss scheitern.“
Aus: Kindlers Literaturlexikon
Hans Kaspar: Nachricht (1957)
Michigan. John Claymans,
geboren 1932,
Lyriker,
Hoffnung der jungen Poesie,
hat sich entschieden:
er
studiert
Astro-Physik.
Mond und Sterne
liebt er
auf
neue Art, seine Gesänge
sind Formeln,
Abenteuer der Logik,
seine
Phantasie
fliegt mit Raketen
zur Sonne.
Weint nicht, Reime,
um John
Claymans:
Die Zahlen brauchen sein Genie
Die Physiker - Aufführung der Theater-AG der DEO
| Fräulein Dr. Mathilde von Zahnd, Irrenärztin | Nevin El Nadi (12b1) |
| Johann Wilhelm Möbius, Patient | Omar Abdel Rahman (12b3) |
| Herbert Georg Beutler, genannt Newton, Patient | Etienne de Ruffray (12b1) |
| Ernst Heinrich Ernesti, genannt Einstein, Patient | Ahmed Ragab (12b3) |
| Richard Voß, Kriminalinspektor | David Lukavsky (10b2) |
| Monika Stettler, Krankenschwester | Heba Tallah Khalil (11b3) |
| Marta Boll, Oberschwester | Caroline de Ruffray (11b3) |
| Frau Missionar Lina Rose | Nour Wahba (12b1) |
| Adolf-Friedrich | Sherif Ragab (8n) |
| Wilfried-Kaspar | John Twadrous (7n) |
| Jörg-Lukas | Tarek Nakhla (8n) |
| Missionar Oskar Rose | Hazem Daoud (9n) |
| Blocher, Polizist | Ali Afifi (9n) |
| Gerichtsmediziner | Hatem Ibrahim (9n) |
| Uwe Sievers, Oberwärter | Florian Opitz |
| Mc Arthur, Wärter | Thomas Szartowicz |
| Murillo, Wärter | Uwe Wöller |
Sprecher/innen
Sarah Ahmed (12b1), Fabian Schätz (12b1), Nicole Rosenthal
Gelesen werden die Gedichte:
'In Ohnmacht gefallen’ (1967) von Günter Grass,
'Nachricht’ (1957) von Hans Kasper
'Fürchtet Euch nicht’ (1949) von Marie Luise Kaschnitz,
ebenso ein Auszug aus Cees Nootebooms Roman 'Allerseelen’ (1999).
Mitwirkende
| Licht / Ton | Marwan Hussein (10b1) |
| Souffleuse | Ragia Moustafa (10b3) |
| Videoeinspielung | Ulrich Lauer |
| Bühnenbild | Anke Nolte |
| Plakat | Jens Drichel |
| Übersetzung | Hoda Issa |
| Fotos | Peter Frank |
Regie / Gesamtleitung
Ursula Kröll-Müller, Hermann-Josef Müller
Für freundliche Unterstützung danken wir herzlich Frau Ingeborg Gohary, Frau Dr. Hoda Issa, Herrn Girgis Parsom, Frau Britta Bleick und Herrn Florian Opitz.

























