
"Model United Nations? Hört sich ja ganz interessant an, aber was genau soll das eigentlich sein?"
Das waren meine ersten Gedanken, als ich die Einladung zum ersten Mal in den Händen hielt. Nur soviel wusste ich: Es handelte sich um eine Fortbildung in Politik, das Ganze findet in Athen statt und ist auf Englisch. Mehr Informationen erhielt ich aus Griechenland durch e-mails: unsere Vorsitzenden aus der Deutschen Schule Athen, die so genannten chair men übertrafen sich selbst und weihten uns genau ins Geschehen ein: Jeder Teilnehmer der MUN sollte sich dem ihm zugeteilten Thema widmen uns dies dann in einer originalgetreuen Konferenz der United Nations in Athen vortragen.
Die meisten von uns waren ein "ehrenwerter Abgeordneter" von Brasilien oder Schweden, andere waren ein "ehrenwerter Richter" im internationalen Gerichtshof. Bei der Vorbereitung für die Konferenzen bedurfte es viel selbstständiges Arbeiten und Geduld, vor allem aber war uns klar, dass es sich hierbei nicht um ein zehnminütiges Referat handeln würde. Wie es wirklich aussehen würde, wurde uns erst vor Ort klar.
Wo den meisten noch nach dem Flug in einer schlaflosen Nacht und einem noch verschlafenerem Tag an der Akropolis die Augen zufielen, trauten wir denselben kaum, als wir an der DSA ankamen: Etwa 400 Schuler und Schülerinnen aus aller Welt, in den schicksten Klamotten auftretend und etwa 15 Sprachen sprechend tummelten sich auf dem Schulhof. Kaum hatten wir uns ein wenig satt gesehen, ging es nach einer zweistündigen Begrüssungszeremonie vom Direktors, sämtlicher Botschafter und der Eröffnungsreden einiger Delegierten schon zu den Besprechungen der einzelnen Komitees. Ein kurzes Hallo und willkommen, die Einteilung der Arbeitsgruppen und die Fertigstellung einer Resolution begann. Eine Stunde später war der erste Arbeitstag gelaufen und wir machten uns auf, Athen zu entdecken.
Spätestens am nächsten Morgen war uns klar: Man hätte uns kaum in eine schönere Stadt bringen können! Dann war es soweit: Nachdem wir der Resolution in großer Aufregung und Hektik den letzten Schliff verpasst hatten, begann die Debatte. Hier erkannte ich, dass ich das Ganze gewaltig unterschätzt hatte. Zunächst noch unvertraut mit der formellen Sprache wurde alles spätestens am nächsten Tag zur Gewohnheit uns nach vielen Argumentationen, Reden und vor allem einem großen Wissensaustausch durften wir die beste Resolution unseres Komitees in der Generalversammlung vortragen. Nachdem glücklicherweise keine einzige Resolution abgewiesen wurde, war es geschafft!
Einige lange Dankesreden später war die Zeremonie beendet und es wurde Zeit, sich schon wieder von allen Delegierten zu verabschieden, mit denen wir uns trotz der kurzen Zeit schon angefreundet hatten. Meistens hieß es: "Bis zur nächsten MUN in Paris! "Wer weiß, ob nicht viele von uns nächsten März wieder aufgerufen werden: "Please rise, honourable delegate, and give your statement!"
Nora Salama


















